Kreis Pinneberg
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Marga Ehlers, Mitarbeiterin der Außenstelle Kreis Pinneberg, und Außenstellenleiter Uwe Kleinig präsentierten gestern die Zahlen für das Jahr 2017

Presseberichte im Pinneberger Tageblatt vom 21.03.2018 unter „Thema des Tages“:

1101 Stunden Unterstützung

Der Weiße Ring hat im vergangenen Jahr mehr als 150 Opfern von Kriminalität geholfen / Team aus zehn Ehrenamtlichen

Pinneberg Im Juni 2017 verurteilte das Landgericht Lübeck einen 29-Jährigen zu zehn Jahren und neun Monaten Haft. Die unfassbare Tat: Er hatte seine zweijährige Tochter vergewaltigt, gequält und dabei gefilmt. Teilweise zeigte er die Taten live im Internet. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Zahlreiche Medien berichteten über den Prozess. Die Mutter hatte nach eigenen Angaben nichts von den Übergriffen mitbekommen. Als sie es erfuhr, wollte sie nur weg – weg aus der Wohnung, weg von allen Möbel, die an den Mann erinnerten, der ihrer gemeinsamen Tochter so grausame Dinge angetan hatte. Sie begann ein neues Leben im Kreis Pinneberg – und wurde von den ehrenamtlichen Helfern von der hiesigen Außenstelle des Weißen Rings unterstützt.

Es ist diese Geschichte, die Außenstellenleiter Uwe Kleinig gestern bei der Jahresbilanz für den Kreis Pinneberg erzählte, um deutlich zu machen, wie vielschichtig die Unterstützung durch sein Teams ist. Die Ehrenamtlichen kümmerten sich um zwei Fachanwälte: einen bei der Nebenklage im Prozess gegen ihren damaligen Mann, einen mit dem Fachgebiet Familienrecht. „Denn die Frau wollte natürlich alles mit dem Sorgerecht für ihre Tochter sauber klären“, erläutert Kleinig. Auch stellte der Verein schnell und unbürokratisch Geld zur Verfügung, damit sich die Frau neue Möbel leisten konnte. Denn der verurteilte Straftäter hatte seiner Familie nicht nur schwere Traumata hinterlassen, sondern auch einen Haufen Schulden. „Wir haben der Frau und ihrem Kind dabei geholfen, auch finanziell wieder in die Spur zu kommen“, sagt Kleinig.

Im vergangenen Jahr wurden 117 hilfesuchende Menschen im Kreis Pinneberg von den zehn ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt. Hinzu kamen noch 47 Fälle aus den Vorjahren. Diese Gesamtzahl von 166 Bearbeitungsfällen hat die Opferhelfer wie folgt beschäftigt: Der Verein stellte finanzielle Hilfen in Höhe von 15 113 Euro zur Verfügung, leistete 1101 Einsatzstunden in der Opferhilfe und nahm an 2114 Stunden Fortbildungen, Besprechungen, Tagungen und Vorträge teil. 145 der hilfesuchenden Menschen waren weiblich, 21 männlich.

Knapp 40 Prozent der Fälle kamen auf Empfehlung der Polizei zum Weißen Ring. Zu wenig, wie Kleinig findet. „Wir würden das gern bei 50 Prozent sehen. Dabei wäre es schön, wenn bei der Polizei noch häufiger darauf hingewiesen wird, dass es für Opfer von Verbrechen bei uns Unterstützung gibt.“ Bei den Delikten fällt nach Kleinigs Angaben alljährlich der hohe Anteil an Körperverletzung (29 Prozent) und Sexualstraftaten (28 Prozent) auf. Weiterhin suchen häufig Verbrechensopfer nach Stalking (17) und Bedrohung (16) Hilfe.

Wer Hilfe sucht, kann den Weißen Ring im Kreis unter (01 51) 55 16 46 37 erreichen. Weiter Infos auch im Internet. Florian Kleist www.weisser-ring.de

 

 

Stichworte Der Weisse Ring

Vollständiger Name: Weißer Ring – Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.. Gründung: 24. September 1976. Initiator und Mitbegründer ist der Journalist und Fernsehmoderator Eduard Zimmermann (Aktenzeichen XY ungelöst). Bedeutung: Mit knapp 50 000 Mitgliedern Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Struktur: 18 Landesverbände mit bundesweit etwa 420 Außenstellen und mehr als 3000 ehrenamtlichen Helfern. Finanzierung: Mitgliedsbeiträge, Spenden, Nachlässe sowie Geldbußen, die von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängt werden.
 

„Wir sind schockiert über die Vorfälle“

Lübeck. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Weißer Rings in Lübeck stand auch bei der Bilanz-Pressekonferenz der Außenstelle für den Kreis Pinneberg dieses Thema auf der Tagesordnung. Außenstellenleiter Uwe Kleinig verlas zu Beginn des Termins – zu diesem hatte der Verein bereits vor Bekanntwerden der Vorwürfe eingeladen – eine Mitteilung. Hier einige Passagen: „Wir, das gesamte Team der Außenstelle Kreis Pinneberg, sind schockiert über die Vorfälle bei der Außenstelle Lübeck. Es ist für uns unerträglich, die öffentlichen Vorwürfe gegen den Weißen Ring im Allgemeinen und die Tätigkeit als Opferhelfer wahrnehmen zu müssen. Dass Derartiges ausgerechnet in einer Organisation, die sich dem Opferschutz verschrieben hat, aktiv passiert ist, macht uns fassungslos. Ich bitte aber um Verständnis, dass von hier aus keine Kommentierung der einzelnen Vorwürfe (. . .) erfolgen kann, da diese nunmehr Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen sind. Darüber hinaus ist unsere Außenstelle in keiner Weise davon betroffen, so dass eine tiefer gehende Bewertung unangemessen erscheint. Angesichts des bereits eingetretenen Image-Schadens für den Weißen Ring ist mir der Appell aber äußerst wichtig, nicht vom Fehlverhalten eines Einzelnen Rückschlüsse auf die Qualität des gesamten Vereins zu ziehen.“ fk